Freitag, 10. Oktober 2008

Zwischen Luxus und Abgrund

Unterschiedlicher konnten die Meldungen heute nicht sein:
In Österreich wird der Aktienhandel ausgesetzt, Dow Jones auf Fünfjahrestief, und in München beginnt am 16. Oktober die erste "Millionaire Fair"!
Da stellt sich die Frage: "Ist das nicht jetzt schon dem Tode geweiht?"
Wohl kaum!
Am Samstagabend hat es Karl Lagerfeld in "Wetten dass" ganz treffend formuliert. Sinngemäß sagte er, ob die Amerikaner jetzt Spekulationsgeld verlieren sei nun sicher nicht erfreulich aber auch nicht weiter tragisch, denn inzwischen gäbe es soviel Geld woanders auf der Welt, wie in Indien, China, Russland, dass er sich keine Sorgen um seine Kunden mache.
Sicher schwingt da die positive Grundhaltung eines Designers mit und man weiß aus eigener Erfahrung, alles ist nur so schlecht wie man es redet, aber hat er nicht wirklich recht damit?
Ich kenne einen soliden deutschen Kinderbekleidungshersteller, bei dem ich selbst früher Kleider gekauft habe. Mittlere Preislage würde man sagen. Plötzlich wurde es recht still um ihn, negative Gerüchte machten die Runde, dann habe ich den Informationsschub über ihn verloren. Vor kurzem machte er mit viel Furore auf sich aufmerksam. Abgeschotteter Messestand, Einlass nur mit Einladung, und eine Kollektion, die sich als "German premium luxury Brand" an die Einkäufer richtete. Wow, erst war ich verwirrt, aber dann begeistert! Endlich hatte es einer verstanden, dass es nicht nur "Mittelpreislage", nicht nur Mittelmaß, nicht nur "Familie mit begrenztem Einkommen" in Deutschland, und vor allem, auf der Welt gab!
Eine langjährige Einkäuferin von einem großen Münchener Fillialisten hat sogar Ihren Job aufgegeben, und eine Boutique mit eben dieser Kollektion auf der Maximilianstrasse zu eröffnen. Dann habe ich mal so überlegt, wer eigentlich von den deutschen Anbietern sich an das hochwertige Segment im Kinderbereich ran traut ( ich wage es einfach nicht vom Luxusmarkt der Kinder zu reden, ist bei uns ja ein bisschen verpönt)?..... Ja das sind nicht viele bis fast keiner. Man könnte in diesem Zusammenhang vielleicht die Firma Hohe Modelle aus Pegnitz nennen, den Endverbrauchern mehr unter "Pampolina" und "Check in" bekannt, aber da hört es schon wieder auf. Das liegt wohl an unserer "Mentalität". Bisher haben wir diesen "Luxusmarkt" für Kinder völlig ignoriert, uns selbst eingeredet, dass er gar nicht existiert, und Preisetiketten für Jeans die mehr als 39,90 ( in welcher Währung auch immer) anzeigen mit den Worten "lächerlich" kommentiert. Rechts und links konnten wir zwar genau verfolgen, wie amerikanische Brands mit gefühlten utopischen Preisen den deutschsprachigen Markt erobern, internationale Luxusmarken wie Burberry eigenständige Läden nur mit Ihrer Kinderkollektion eröffnen. Trotzdem wurde es immer runtergesprochen...ob das funktioniert?.... mal schauen wie lange sich das hält...... typische Kommentare auf den Gängen von Kindermessen. Genährt wird diese Haltung durch die Annahme
, dass Luxus nur den kinderlosen vorbehalten wäre. Sobald aber der Status "Familie" erlangt wird, fällt man aus dieser Kategorie raus! Gegenwehr zwecklos! Entsprechend ist das Angebot auf dem Markt, Esprit und H&M für alle als Zwangseinkleidung. Mit diesem Hintergrund dann seine Kollektion zu erstellen und sich dann in Florenz auf der Pitti Bimbo mit anderen zu messen, die Ihre Zielgruppe genau im Griff haben, wird immer einen Neidfaktor ins Rückreisegepäck zaubern.
Auffallend ist in diesem Zusammenhang die Insolvenzen Liste von deutschen Unternehmen der letzten Tage. Es sind genau die Unternehmen, die die "goldene Mitte" bedienen wollten. Nicht Fisch nicht Fleisch, für den "normalen" Verbraucher eben (wer immer das auch sein mag) , Mode zu "vernünftigen" Preisen..... Es scheint keiner mehr in der Mitte da zu sein! Es scheint nur noch unten oder oben zu geben. Sicher gibt es noch gut gemachte Nischenprodukte, aber das A und O ist die Zielgruppe, deren glasklare Definition und Bedienung, mit andern Worten saubere Marken und Stilführung! Und eben kein Abweichen davon aus diesem oder jenem Grund.
Und genau das macht die Millionairs Messe in München schon jetzt zu einem Erfolg! Sie hinterfragt nicht, ob jemand wirklich eine Blattgold überzogene Zigarre braucht oder den Sinn einer mit 550 Diamanten besetzten Tagesdecke. Sie machen einfach! Sie bietet Erzeugnisse, die ihren Besitzer von einem "normalen Verbraucher" zum "besonderen Individuum" macht. Vielleicht ist dieser Crash an den Börsen auch nur möglich geworden, weil der Handel es nicht verstanden hat, den Menschen ein Angebot ihrer Sehnsüchte anzubieten, sondern eben nur ihrer Bedürfnisse. Wie gerade in England, wo es in einem echt schlechten Marktumfeld dem Haus "Harrods" ein Rekordergebnis gelungen ist. Bestimmt nicht weil sie so "normale Dinge verkaufen".
Übrigens ist der deutsche Hersteller den ich meine K.D. Laufer mit Tila! www.I-love-Tila.com. Anschauen lohnt sich. Klasse!

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